< Lilian Beidler - Wellenlänge


Wellenlänge (2021)


Bilder: René Roetheli


Unter dem Titel "Wellenlänge" zeigt das Zimmermannhaus eine aussergewöhnliche Ausstellung: die Schweizer Musikerin, Performerin und Soundkünstlerin Lilian Beidler (geb. 1982, lebt und arbeitet in Bern) trifft auf die US-amerikanische Fotografin Dorothea Lange (geb. 1895 in Hoboken, New Jersey, gest. 1965 in San Francisco, Kalifornien). Akustisch und installativ reagiert Beidler auf Bilder dieser Pionierin der Dokumentarfotografie.


Im Zimmermannhaus wird Dorothea Langes Werk zur Partitur für eine Künstlerin aus dem Bereich Klang und Performance. Lilian Beidler entwickelt ihre Arbeit ortsspezifisch und in Auseinandersetzung mit Langes Leben und Werk. Wirtschaftliche Depression, ökologische Katastrophen, Kriege und ihre Folgeerscheinungen hatten zahlreiche Fotoreportagen motiviert. Intuitiv und abstrahierend sucht Beidler eine zeitgemässe Antwort auf diese Motivik und ihre Gegenwart. Beim Betreten der Ausstellung kommt einem ein Rauschen entgegen. Einzelne, ausgewählte Fotografien von Dorothea Lange - Naturansichten, Bewegungsmuster, Bilder von Verdichtung und Verfliessen - stehen und hängen im Raum, sind auf verschiedene Ebenen projiziert. Ein scheinbar unendlicher Strom akustischer Partikel vermengt sich zu einer fast haptischen Wahrnehmung des Raums. Beim genaueren Hinhören lassen sich Fragmente isolieren. Field recordings aus Wäldern, Flüssen und Naturgebieten, Körper- und Maschinengeräusche bilden einen Cluster, der fliessend Kontakt aufnimmt mit der visuellen Sprache der Fotografie.

Die anschwellende und auslaufende Welle wirft Fragen auf zu unserem Umgang mit Krisen - und strahlt auch aus in Bruggs öffentlichen Raum: Während der Ausstellungsdauer entlassen Gebäude und Schaufenster zwischen Bahnhof/Kino Odeon und Vorstadt immer wieder das akustische Bild einer Welle. Als Verbindungsglied zwischen Beidlers und Langes Werk, zwischen den sozialpolitischen Kontexten zweier Epochen und Kontinente hält das "Klangmal" die Bewegung diverser Wellengänge in Erinnerung.

Text: Andrea Gsell für
Zimmermannhaus Brugg


© Lilian Beidler 2022